PM: Wildschweine beschädigten bronzezeitliche Grabanlagen (IPAL-10)

Neubukow: Während einer Exkursion der Bodendenkmalpfleger im April 2016 mussten massive Schäden an mehreren bronzezeitlichen Hügelgräbern bei Steinhagen (Kirch Mulsow) festgestellt werden. Glücklicherweise gibt es in unserem Bundesland viele engagierte ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, denen die Erhaltung unseres kulturellen Erbes sehr am Herzen liegt. Speziell im Raum Rostock-Stadt und Rostock-Land ist seit den 1980er Jahren die Kreisarbeitsgruppe Ur- und Frühgeschichte außerordentlich aktiv. In enger Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Güstrow und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin werden mehrmals jährlich Pflegeeinsätze durchgeführt. Die Beteiligung daran ist in der Regel überdurchschnittlich. So kamen auch vergangenen Sonnabend 14 Bodendenkmalpfleger zum Einsatz. Mit Schubkarren, Eimern, Schaufel, Spaten und Harken bewaffnet, wurden die bis zu einen halben Meter tiefen Wildschäden ausgebessert. Einige Kulen waren so tief, dass in ihnen zunächst eine Folie ausgelegt werden musste, um in der Dokumentation für die Nachwelt zu erhalten, ab welcher Schicht anno 2017 eine Auffüllung gemacht wurde. Insgesamt wurden sechs Hügelgräber, deren Alter auf 3.100 bis 3.600 Jahre geschätzt wird, wieder hergerichtet. „Ein Tag der viel Spaß gemacht hat und jedes Fitness-Studio ersetzt.“ sagte Bodendenkmalpflegerin Gabriela Hafner aus Alt Karin.

Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Mecklenburg-Vorpommerns engagieren sich seit über zwei Jahren mit der Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum (IPAL) für ein Landesmuseum mit ständiger Ausstellung, damit das kulturelle Erbe unseres Bundeslandes der Öffentlichkeit nach gut 25 Jahren wieder zugängig wird. Auf ihrer Homepage ipal-mv.de sammeln sie bundesweit Unterschriften, damit die Landespolitik diese dringend notwendige Strukturmaßnahme umsetzt.

 




Wie man Bronze mit den Augen findet!

Wie fast jeden Tag gehe ich als „ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger“ über die Felder und Wiesen. Ich genieße dabei die Natur, die Ostsee die ich vor meiner Haustür habe und entspannte dabei. Stets sind meine Augen auf den Boden gerichtet. Man könnte ja was entdecken!

In den letzten sieben Jahren konnte ich dadurch viele neue Fundplätze lokalisieren.

Wie geht sowas vor sich? Ich achte auf dunkle verfärbte Stellen auf dem Acker, auf Steine die ungewöhnlich aussehen, auf kleine Keramikscherben oder Bruchstücke, eben auf alles was interessant sein könnte. Mit der Zeit entwickelt man ein Auge, ein Gefühl und Kenntnisse dafür. Auch darüber, wo Menschen gesiedelt haben könnten.

So auch an diesem bewussten Tag wo alles anfing.

Drei Stunden Feldbegehung über einige meiner Fundplätze. Schon oft drüber gegangen, da mal eine Feuersteinklinge, einen Schaber aufgehoben. Eingemessen, eingetütet und Bahn rauf, Bahn runter.

Die Landwirte hatten diesmal tief gepflügt, das junge Getreide kam schon hoch und der Boden war im Laufe des Winters gut abgeregnet und abgetrocknet. Dabei viel mein Blick auf ein kleines, grün schimmerndes Metallteil. Vorsichtshalber mit GPS eingemessen. Zu Hause wurde es gesäubert und dann konnte man ein Muster darauf erkennen. Es wurde in unser Forum gestellt und die Rückmeldungen waren alle positiv. Es schien sich um was „sehr altes“ zu handeln.

Der erste Fund
Der erste Fund

Mit meiner Freundin verabredete ich mich für eine weitere Begehung. Diesmal nahmen wir unsere Detektoren mit. Dann ging es Schlag auf Schlag!

Sofort wurde das Landesamt für Kultur- Denkmalpflege informiert, wie wir weitervorgehen sollen. Dies ist ein unbedingtes „muss“.

Ein Mitarbeiter kam raus, um einzumessen. Zwischenzeitlich kam ein weiterer ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger hinzu. Es kamen immer weitere Teile zum Vorschein. Leider mussten wir dann abbrechen, da erst mit dem Landwirt verhandelt werden musste. Schließlich sind wir keine Schatzräuber, die illegal rumwühlen.

Nach zwei Monaten Wartezeit kam mein großer Tag. Es fand eine Grabung in dem Areal der Bronzefunde statt.

Weit über 280 Fragmente kamen zusammen, sowie mehrere Grubenverfärbungen mit Keramikscherben aus der Bronzezeit.

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Dieser Hortfund stammt aus der Periode V, also aus der Zeit zwischen 900 – 740 v. Chr. Er besteht aus einem oder auch zwei Hängebecken, Armspirale und eventuell mehreren Gedrehten Halsringen mit Schmuckelementen.

Wäre ich an diesem Tag nur ein, zwei Meter daneben gelaufen oder hätte in eine andere Richtung geschaut, wer weiß ob ich ihn je entdeckt hätte.

Glück muss man bei seinen Begehungen auch haben!

Gabriela Hafner