PM: Ehrenamtliche pflegen Hünengräber (IPAL-14)

Rerik. Letzten Sonnabend trafen sich ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger bei Rerik zum Pflegeeinsatz. Die jungsteinzeitlichen Grabanlagen – 3.500 bis 3.100 v. Chr. errichtet und viele hundert Jahre weiter genutzt – rings um Rerik zählen zu den attraktivsten Monumenten dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern. Jährlich werden sie von der Kreisarbeitsgruppe Ur- und Frühgeschichte zum Saisonauftakt besonderen Pflegemaßnahmen unterzogen, um den Bürgern und Gästen der Region voller Stolz diese kulturhistorischen Hinterlassenschaften zu präsentieren. „Der Tourismus ist für uns Denkmalpfleger außerordentlich wichtig. Im Rahmen unserer Unterschriftensammlung für das Archäologische Landesmuseum (www.ipal-mv.de) erlebe ich immer wieder, wie interessiert und auch erstaunt die Urlauber reagieren, wenn ich über das hier vorhandene einzigartige Fundmaterial von der Steinzeit über alle Geschichtsepochen hinweg bis zur Neuzeit berichte. Es ist unverständlich, dass dieses Potential noch recht wenig von Tourismusunternehmen als Werbeträger genutzt wird. Wenn wir Saisonverlängererungen wollen, können unsere archäologischen Schätze wesentlich dazu beitragen“, sagt Thomas Köhler, Leiter des Heimatmuseums Rerik, der wie jedes Jahr (auch als Organisator) tatkräftig dabei ist.

Treffpunkt war wie immer der Parkplatz Neuer Friedhof. Pünktlich um 9.30 konnte die Aktion gestartet werden. Begonnen wurde diemal mit dem Ganggrab Neu Gaarz 1 an der Feuerwehr, aus dem 1967 zahlreiche Funde geborgen wurden. Neben der Beseitigung von Müll wurden die Innenflächen gesäubert und ringsum umherligende Äste, Laub und Unkraut entfernt.

Weiter ging es mit diversen Gartengeräten bewaffnet zum Urolmen (bretonisch=Steintisch) Mechelsdorf.  Seine Besonderheit ist der ungewöhnlich lange und zudem gewinkelte Gang. Seine Lage in der Landschaft gilt unter den Wissenschaftlern als einzigartig in Deutschland.

Die nächste Station war der Großdolmen am Büttsoll Mechelsdorf.

In unmittelbarer Nähe besuchte die Gruppe dann das Hünenbett Mechelsdorf, eine trepezförmige Steinsetzung um ein Großsteingrab herum. Hier galt es vor allem, abgestorbene Bäume und deren umherliegende Äste zu beseitigen, damit keine Gefahr mehr für Besucher ausgeht.

Danach ging es zu Mecheldorf 3, ein erweiterter Urdolmen mit Gang. Mit dem Bau von Ganggräbern dieser Form begann eine lange Tradition der Errichtung von Monumenten mit tonnenschweren Felsbrocken. Auch hier mussten die Denkmalpfleger einigen Unrat einsammeln und etwas Laub und Äste beseitigen.

Die wohl schönsten Großsteingräber bei Rerik, Gaarzer Hof 1 und 2 nahm sich die Gruppe zum Schluss vor. Beide Gräber liegen unmittelbar an der Ortzufahrt aus Richtung Kröpelin auf der linken Seite keine 50 Meter von der Straße entfernt.

Ca. 180 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger sind derzeit in Mecklenburg-Vorpommern aktiv. Sie sorgen mit ihren zahlreichen Aktivitäten dafür, dass in der Landesaufnahme Fundstellen von kulturhistorischer Bedeutung erfasst werden. Darüber hinaus, kümmern sie sich um den Erhalt bekannter Denkmäler. Wer seine Freizeit der Erforschung unserer Ursprünge widmen möchte, ist in diesem Kreise herzlich willkommen.

 




PM: Denkmalpfleger-Exkursion in und um Laage (IPAL-13)

Laage. Letzten Sonnabend fand eine Exkursion für Denkmalpfleger und andere Interessierte in und um Laage statt. Die Kreisarbeitsgruppe Ur- und Frühgeschichte Landkreis Rostock und die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde, vertreten durch Herrn Alexander Schacht, konnten 18 Teilnehmer begrüßen. Die Exkursion begann auf dem Markplatz mit einer kurzen Übersicht zur Historie der kleinen Stadt im Recknitztal. „Für Laage sind Besiedlungsspuren seit der Mittelsteinzeit (8.000 v. Chr.) dokumentiert. Ebenso fand man Hinterlassenschaften aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Der ursprüngliche slawische Name Lawe lässt sich als Brückenort deuten. Die natürliche Furt wurde für Brückenbauten genutzt und machte sie zum verkehrstechnisch und strategisch wichtigen Ort.“ Diese und viele weitere Details berichtete Herr Schacht. Laage feierte 2016 seinen 800. Geburtstag.

Anschließend ging es zur im 13. bis 15. Jahrhundert auf dem ursprünglichen Anger (Dorfplatz) errichteten Kirche. Pastorin Anne-Barbara Kretschmann war so freundlich, durch das Gebäude zu führen. Die dreischiffige Backsteinkirche erhielt im 15. Jahrhundert ihren wuchtigen Westturm. Die Fenster des Chors wurden im Zuge einer neugotischen Überformung vergrößert. Die imposanten Glasfenster mit Szenen aus der Bibel entwarf und fertigte der Rostocker Hofdekorationsmaler Hermann Krause 1897 bis 1899. „Diese wunderschönen Fenster verleihen unserer Kirche zusammen mit der prächtigen Wandbemalung ein besonders würdiges Erscheinungsbild“, sagte Frau Kretschmann mit sichtlichem Stolz. Besonders interessant fanden die Teilnehmer auch die vielen Ritzungen an den Außenmauern, die ursprünglich wohl größtenteils als Sonnenuhren angebracht wurden.

Der nächste Programmpunkt war ein slawischer Burgwall und Siedlungsplatz bei Laage. Der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Kerstin Bockholt ist er bestens bekannt. Sie versorgte die Teilnehmer mit umfangreichen Informationen. Durch die intensive Nutzung der Fläche in jüngster Vergangenheit ist der Erhalt des Bodendenkmals sehr stark gestört. Hinterlassenschaften aus früheren Epochen sind dadurch zum Teil mehrere hundert Meter verschleppt worden. „Trotzdem konnte ich noch einige Keramikfragmente der Feldberger (8. – 9. Jh. n. Chr.) und Menkendorfer Gruppe (9. – 10. Jh. n. Chr.) und den Fuß einer Fibel (Gewandschließe) aus der früheren germanischen Besiedlungsphase bergen“, berichtete die Denkmalpflegerin.

Weiter ging es dann zu noch einer Anlage aus slawischer Zeit. Der Burgwall bei Wardow, eine auch als „De Rug Barg“ bezeichnete Niederungsburg. Frau Bockholt, die aus Laage stammt, ist er aus ihren Kindheitserinnerungen als Rodelberg vertraut. Während die Nutzung als Rodelberg – sofern es die heutigen Winter überhaupt noch erlauben – kaum Schäden verursacht, musste festgestellt werden, dass er heute offensichtlich auch als Motorcross- bzw. Quadstrecke missbraucht wird. Die Schäden wurden von Herrn Schacht aufgenommen. Der unveränderte Erhalt dieser Wallburg aus dem 10. bis 12. Jahrhundert ist für unsere Nachwelt sehr wichtig. Sie lag damals an der Via Regia und dürfte diesen wichtigen mittelalterlichen Handelsweg überwacht und gesichert haben.

Jetzt folgte eine kurze Mittagspause. Die Teilnehmer stärkten sich auf einem kleinen Rastplatz kurz vor Polchow.

Auf dem Kirchhof von Polchow konnte Mecklenburgs-Vorpommerns stärkster Baum bestaunt werden. Nach neuesten Messungen beträgt sein Umfang 13,84 Meter. In der Höhe misst er etwa 20 Meter. Es ist anzunehmen, dass die Setzung der ursprünglich drei Linden, die sich später vereinigten, zu einem besonderen Anlass erfolgte. Ob es die Errichtung der Kirche 1228, früher die Dorfgründung vor 1216 oder ganz andere Anlässe in der Zeit waren, lässt sich nicht mehr eindeutig bestimmen. Dendrologen billigen der Linde jedenfalls ein Alter von 800 Jahren zu. Die Exkursion nutzte diesen herrlichen Hintergrund für ihr obligatorisches Gruppenfoto.

Auf der Route lag dann das Schloss Diekhof, das zu einem kurzen Zwischenstopp einlud. Das 1945 bis auf Marstall und Kapelle abgebrannte Schloss aus dem 18. Jahrhundert wird von einem Kölner Kaufmann mit mecklenburgischen Wurzeln weiter rekonstruiert. Nachdem der Marstall komplett saniert heute als Wohnkomplex fungiert und die Bauarbeiten an der inzwischen beeindruckenden Kapelle abgeschlossen sind, haben Bauarbeiten an den Kellergewölben des ursprünglichen Hauptflügels begonnen. „Ein schönes Beispiel dafür, wie sich Eigentum, Denkmalschutz und Gebäudenutzung vereinbaren lassen“, lobte Herr Schacht.

Auf dem Weg nach Schloss Rossewitz besuchte die Gruppe das Großsteingrab bei Plaaz. Der frisch bestellte Acker war eine echte Herausforderung für das Schuhwerk einiger Teilnehmer, da Regentage vorher dafür sorgten, dass jeder Fußtritt sehr tief im Erdreich versank. Davon unbeeindruckt begannen nahezu alle, während der Überquerung zum Großsteingrab ihren Blick auf den Boden zu fokussieren. Ein unter Denkmalpflegern wohl geradezu natürliches Verhalten, welches von ihren unzähligen Feldbegehungen herrührt. Herr Schacht beschrieb das Bodendenkmal aus der Jungsteinzeit als Urdolmen oder als erweiterter Dolmen mit Gang. Der riesige Deckstein befindet sich offensichtlich noch in seiner ursprünglichen Position. Der östliche Schlussstein fehlt. Das Grab ist derzeit leider etwas mit Büschen überwuchert. Sehr schön zu sehen sind einige Schälchen im Deckstein, die auch typisch für viele andere gleichartige Grabanlagen sind. Untypisch hingegen sind Bohrlöcher, die vermuten lassen, dass der Deckstein einst zerstört werden sollte.

Nach all diesen interessanten Sehenswürdigkeiten ging es schließlich zum Schloss Rossewitz, dem ersten Barockbauwerk Mecklenburgs, welches Mitte des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Was von außen nach einem verwunschenen Dornröschenschloss aussieht, entpuppte sich schließlich als Highlight des Tages. Frau Sigrid Freiheit, die sich seit vielen Jahren im Auftrag des Eigentümers um den Erhalt des Schlosses kümmert, übernahm die Führung der Gruppe. Nach einer Zusammenfassung der Historie vorm Schloss wurde das Gebäude vom Keller bis zum Dachstuhl besucht. Angereichert mit vielen zeitgenössischen Anekdoten wurde jede Räumlichkeit detailliert erklärt. Die Teilnehmer sahen den Brunnen im Keller, der über einen Schacht in jeder Etage bis hinauf zum Dachboden erreichbar ist. Sie sahen ebenfalls im Keller die Küche und eine Backstube. Erwähnenswert auch die bereits geflieste Eingangshalle. Der imposante Festsaal mit seinen großzügigen Fensterfronten, das Kaminzimmer, die unvollendete Kapelle und dazu immer passend die zahlreichen Geschichten aus der Vergangenheit hinterließen einen tiefen Eindruck. „Das war die mit Abstand beste Führung, die ich erlebt habe“, äußerten sich viele Teilnehmer danach. Alle hoffen, dass der jetzige Besitzer über den Erhalt hinaus auch die Instandsetzung des Gebäudes schaffen wird.

Gegen 16.00 Uhr war die Exkursion beendet. Denkmalschutz und Bodendenkmalpflege genießen in Mecklenburg-Vorpommern einen hohen Stellenwert. Die ereignisreiche Geschichte vieler tausend Jahre verleiht den Bürgern Identität und stößt bei unseren Besuchern und Gästen auf starkes Interesse. Umso unverantwortlicher halten es viele, dass unser Land zu wenig aus dieser Ressource macht. Glücklicherweise scheint es im Projekt Archäologisches Landesmuseum aktuell Fortschritte zu geben. Aber die umfangreiche Nutzung unseres Standortmerkmals „Kulturhistorisch herausragende Region“ scheint noch nicht optimal zu sein.




2.600 Jahre altes Beil gefunden

Sanitz: Am letzten Tag im April waren die beiden ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Annette Weidemann und Peter Wenzel auf einem Acker bei Sanitz (Landkreis Rostock) unterwegs. Herr Wenzel hatte dort bei einer früheren Begehung aufgepflügte Feuerstellen entdeckt, die zeigten, dass dort in früheren Zeiten Menschen gewirkt haben. Die größte Feuerstelle hatte einen imposanten Durchmesser von fast sechs Metern. Die intensive Nachsuche im Umfeld dieser Verfärbungen erbrachte allerdings keine aussagekräftigen Funde, doch waren sich beide sicher, dass die Geländemerkmale für eine bronzezeitliche Nutzung sprechen können.


(Fotos: Annette Weidemann)

Nach mehreren Stunden und weit ab von den Feuerstellen bestätigte sich die Vermutung, denn Frau Weidemann fand auf dem leicht zu einer Niederung abfallenden Hang ein gut erhaltenes, intaktes Tüllenbeil aus Bronze (s. Abb.). „Meine Freude war besonders groß, weil dies mein erster Metallfund aus der Bronzezeit ist. Zudem noch komplett!“, so die glückliche Finderin (Fotos: Annette Weidemann). Die erste fachliche Einschätzung vom Archäologen, Dr. Jens-Peter Schmidt vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, lässt ein Alter von mehr als 2.600 Jahren vermuten, denn es gehört in die Schlussphase der Bronzezeit. Zu jener Zeit gab es zwar auch im Norden schon die ersten Eisenobjekte, doch war Bronze noch immer das dominierende Metall in Kunst und Handwerk. Doch auch Bronze – eine Legierung aus Kupfer und Zinn – war überaus wertvoll. Mangels eigener Lagerstätten mussten nämlich beide Metalle von weit her ins Land importiert werden. Dabei diente unter anderem sicherlich Bernstein als Gegengabe und wurde zum „Gold des Nordens“.

Ob es sich bei dem Tüllenbeil um eine Opfergabe oder einen Verlustfund handelt, ist nicht sicher zu bestimmen, doch ist eine Deutung als bewusste, kultisch motivierte Niederlegung wahrscheinlich. Vielleicht werden andere Neufunde aus dem näheren Umfeld nähere Erkenntnisse zur Deutung vermitteln. Derzeit sind etwa 180 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger in Mecklenburg-Vorpommern aktiv. In ihrer Freizeit suchen sie nach kulturellen Hinterlassenschaften, pflegen bekannte Bodendenkmäler und nehmen an Fortbildungen teil. Da ihnen das kulturelle Erbe ihrer Heimat besonders am Herzen liegt, verfolgen sie auch intensiv die Wiedereinrichtung eines Archäologischen Landesmuseums mit ständiger Ausstellung. Mit Freude haben sie kürzlich die Entscheidung über den Standort begrüßt. Damit dieses Vorhaben jetzt weiter zügig umgesetzt wird, sammelt ihre Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum  (www.ipal-mv.de) bundesweit Unterschriften. 11.057 Unterstützer haben schon unterzeichnet.